Du öffnest Copilot Chat für eine schnelle Frage und entdeckst oben ein neues Dropdown-Menü: Automatisch, ein GPT-Modell, ein Modell von Anthropic. Du weisst nicht genau, was sich dahinter verbirgt und lässt lieber alles auf der Standardeinstellung, aus Angst etwas falsch zu machen. Damit bist du nicht allein, denn seit Sommer 2026 taucht die Modellauswahl (Model Picker) für viele zum ersten Mal in Copilot Chat, Word, Excel und PowerPoint auf. Dahinter steckt mehr als Spielerei. Für die tägliche Kurzmail reicht die Standardeinstellung völlig, bei einer komplexen Datenauswertung oder einem langen Vertrag bringt dir ein bewusst gewähltes Modell oft spürbar bessere Ergebnisse. Und bei Kundendaten lohnt sich ein zweiter Blick, bevor du wechselst. Ich zeige dir, wo du die Auswahl findest, wann sich ein Wechsel lohnt und worauf Schweizer Unternehmen bei den Daten achten sollten.
Schritt 1: Die Modellauswahl in Copilot Chat finden
Copilot Chat ist der einfachste Ort, um die neue Modellauswahl auszuprobieren. Du erreichst den Chat direkt über m365.cloud.microsoft/chat oder über die Kachel in microsoft365.com, eine separate App-Installation brauchst du nicht.
So findest du den Modell-Wähler:
- Öffne Copilot Chat und melde dich mit deinem Geschäftskonto an.
- Suche oben im Eingabebereich nach einem kleinen Dropdown neben dem Sende-Symbol, dort steht meist «Automatisch» oder der Name des zuletzt gewählten Modells.
- Klicke darauf und wähle aus der Liste ein Modell aus, aktuell stehen dir Microsofts eigenes Modell, mindestens ein GPT-Modell von OpenAI und ein Modell von Anthropic zur Verfügung.
- Deine Wahl gilt ab sofort für die laufende Unterhaltung, für einen neuen Chat kannst du jederzeit neu wählen.
Welche Modelle genau auftauchen, hängt von deinem Tenant und dem Rollout-Stand ab. Microsoft führt die Auswahl gestaffelt ein, es kann also sein, dass bei dir heute noch weniger Optionen erscheinen als bei einer Kollegin in einem anderen Unternehmen. 🔍
Schritt 2: Modelle auch in Word, Excel und PowerPoint wählen
Die Modellauswahl bleibt nicht auf Copilot Chat beschränkt. Auch direkt in den Apps kannst du inzwischen steuern, welches Modell im Hintergrund arbeitet.
So gehst du in den Apps vor:
- Öffne Word, excel.cloud.microsoft oder PowerPoint und starte den Copilot-Bereich über das Symbol in der Multifunktionsleiste.
- Achte im Copilot-Fenster auf ein kleines Modell-Symbol oder einen Modellnamen, meist am unteren Rand des Chatverlaufs.
- Wähle darüber das gewünschte Modell für diese eine Aufgabe aus.
Praktisch: Die Wahl gilt jeweils nur für die aktuelle Aufgabe in der App, ändert also nichts an deiner Einstellung in Copilot Chat. So kannst du zum Beispiel in Excel für eine knifflige Formel gezielt ein anderes Modell nehmen, ohne deine Chat-Standardeinstellung zu verändern.
Schritt 3: Wann Automatisch die beste Wahl ist
Für die meisten Alltagsaufgaben brauchst du gar nicht zu wechseln. Lass Copilot bei folgenden Aufgaben einfach auf Automatisch (Auto):
- Kurze E-Mails formulieren oder umformulieren.
- Eine einzelne Frage zu einem bereits geöffneten Dokument stellen.
- Eine Besprechung schnell zusammenfassen lassen.
- Erste Textentwürfe erstellen, die du danach ohnehin selbst überarbeitest.
Microsoft wählt im Automatikmodus laufend das Modell, das für die jeweilige Anfrage am besten passt, meist ein schnelles und ressourcenschonendes Modell. Für dich heisst das: weniger Wartezeit und in der Regel ein völlig ausreichendes Ergebnis. Der bewusste Wechsel lohnt sich erst, wenn die Aufgabe komplexer wird, dazu gleich mehr in Schritt 4.
Schritt 4: Wann sich ein bewusster Modellwechsel lohnt
Bei anspruchsvolleren Aufgaben zahlt sich die gezielte Auswahl eines leistungsstärkeren Modells oft aus. Typische Fälle aus meiner Beratungspraxis:
- Eine lange Ausschreibung oder ein mehrseitiger Vertrag muss strukturiert zusammengefasst werden.
- Mehrere Excel-Tabellen mit Kennzahlen sollen verglichen und Auffälligkeiten erklärt werden.
- Ein komplexes Konzept oder eine Strategie soll Schritt für Schritt durchdacht werden.
- Ein Text muss in einem sehr genauen, konsistenten Ton über mehrere Seiten hinweg entstehen.
Probiere in solchen Fällen ruhig zwei Modelle mit derselben Anfrage aus und vergleiche die Ergebnisse. Das kostet dich zwei Minuten und zeigt dir schnell, welches Modell für diese Art von Aufgabe bei dir besser funktioniert. Mit der Zeit entwickelst du ein Gefühl dafür, welches Modell zu welcher Aufgabe passt, ganz ohne dass du technisches Hintergrundwissen brauchst. 💡
Schritt 5: Daten und Datenschutz bei Fremdmodellen prüfen
Bevor du regelmässig ein Modell von einem anderen Anbieter als Microsoft nutzt, lohnt sich ein Blick auf die Daten. Grundsätzlich bleiben alle Anfragen innerhalb des Compliance- und Sicherheitsrahmens von Microsoft 365, unabhängig vom gewählten Modell. Bei Modellen von Drittanbietern wie Anthropic kann die eigentliche Verarbeitung aber ausserhalb der EU oder der Schweiz stattfinden, aktuell teilweise in den USA.
Für dein Unternehmen bedeutet das:
- Nutze für interne Notizen, Recherchen und Textentwürfe ohne Personenbezug ruhig jedes verfügbare Modell.
- Bleibe bei Kundendaten, Personalunterlagen oder Verträgen mit Drittklauseln lieber beim Standardmodell von Microsoft, solange du die genauen Datenflüsse nicht kennst.
- Sprich im Zweifel kurz mit deiner IT oder deinem Admin, ob euer Unternehmen die Nutzung von Fremdmodellen für sensible Daten bereits geprüft und freigegeben hat.
Diese Einschätzung kann sich mit künftigen Updates ändern, ein kurzer Check vor der nächsten grösseren Auswertung schadet aber nie.
Schritt 6: Modelle für dein Team steuern (für Admins)
Bist du für M365 in deinem Unternehmen zuständig, kannst du die Modellauswahl zentral steuern statt sie jeder Person einzeln zu überlassen.
So gehst du als Admin vor:
- Öffne das Microsoft 365 Admin Center und wechsle zu den Copilot-Einstellungen.
- Aktiviere oder deaktiviere dort einzelne Modellanbieter für die gesamte Organisation, etwa wenn ihr Fremdmodelle grundsätzlich ausschliessen wollt.
- Kommuniziere die getroffene Entscheidung kurz an dein Team, damit niemand ein deaktiviertes Modell vermisst oder sich über eine fehlende Option wundert.
Gerade in kleineren Unternehmen ohne eigene IT-Abteilung lohnt sich dieser Schritt, weil er die Entscheidung «welches Modell für welche Daten» einmalig für alle regelt, statt sie jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter einzeln zu überlassen.
Mein Praxistipp aus der Beratungspraxis
Leg dir für dein Team eine simple Faustregel auf einer einzigen Zeile ab, zum Beispiel in eurem internen Wiki: «Automatisch für alles Alltägliche, bewusster Modellwechsel nur für lange oder komplexe Aufgaben ohne Kundendaten.» Diese eine Regel verhindert die meisten Unsicherheiten im Alltag und du musst nicht jede Woche neu erklären, wann welches Modell sinnvoll ist. Ergänze die Regel bei Bedarf, sobald neue Modelle dazukommen oder eure IT neue Vorgaben macht. 📌
Fazit & CTA
Die Modellauswahl in Copilot ist kein Detail für Technikfans, sondern ein echtes Werkzeug für bessere Ergebnisse im Alltag. Für die meisten Aufgaben reicht Automatisch völlig, bei komplexen Auswertungen lohnt sich der bewusste Wechsel und bei sensiblen Daten zahlt sich ein kurzer Blick auf die Datenflüsse aus. Öffne noch heute Copilot Chat, schau dir das Dropdown-Menü einmal in Ruhe an und probiere es an einer echten Aufgabe aus. Probiere es jetzt aus.