Du sitzt an einer Präsentation und verbringst mehr Zeit mit der Formatierung als mit dem eigentlichen Inhalt? Die Schriftgrössen passen von Folie zu Folie nicht zusammen, die SmartArt-Grafik sieht aus wie aus einem älteren Office-Paket und für die Aufzählungspunkte auf Folie 14 findest du auf Anhieb keine passende Visualisierung. Genau an diesen Reibungspunkten setzt Microsoft seit diesem Sommer in PowerPoint an. Die Design-Leiste wurde überarbeitet, 13 neue Themes sind dazugekommen, SmartArt hat modernere Layouts bekommen und gleichzeitig übernimmt Copilot einen grossen Teil der mühsamen Formatierungsarbeit. Ich zeige dir in diesem Beitrag, wie du diese Neuerungen konkret nutzt, von der neuen Design-Leiste bis zu den Copilot-Skills, mit denen du eine fertige Präsentation in wenigen Minuten überprüfen und aufwerten lässt.
Schritt 1: Neue Design-Leiste und Themes entdecken
Öffne eine beliebige Präsentation, egal ob in der Desktop-App oder im Browser über powerpoint.cloud.microsoft und wechsle oben im Menüband (Ribbon) auf den Reiter Design. Microsoft hat diesen Bereich komplett neu geordnet: Farben, Schriftarten, Effekte, Hintergrundstile und Layout findest du jetzt dort, wo du sie tatsächlich am häufigsten brauchst, statt sie über mehrere Untermenüs zusammenzusuchen. Direkt daneben liegen 13 neue Themes, die im Design-Tab von PowerPoint für Windows und Mac zur Auswahl stehen, von reduziert und professionell bis verspielt und für Schulungsunterlagen geeignet. Einige ältere Themes wurden aus der sichtbaren Galerie entfernt, weil sie kaum noch genutzt wurden. Arbeitest du an einem bestehenden Foliensatz mit einem dieser älteren Themes weiter, findest du es weiterhin über die Backstage-Ansicht im Datei-Menü, es ist also nicht verloren gegangen. 🎨 Probiere für eine neue Präsentation testweise zwei oder drei der neuen Themes aus, bevor du dich festlegst. Der optische Unterschied zur bisherigen Standard-Optik ist auf den ersten Blick sichtbar und deine Folien wirken sofort weniger nach Vorlage von der Stange.
Schritt 2: Neue SmartArt-Layouts nutzen
Markiere eine Aufzählung oder einen Textblock und füge über Einfügen SmartArt eine Grafik ein. Seit Juli 2026 sind die neuen SmartArt-Layouts vollständig ausgerollt und decken genau die Situationen ab, an denen die alten Layouts am meisten störten. Für Zeitstrahlen (Timeline-Grafiken), strukturierte Listen und sogenannte «Meet the Team»-Folien stehen dir jetzt moderne Vorlagen zur Verfügung, bei denen du direkt mehrere Bilder auf einmal einfügen kannst, etwa Team-Fotos für eine Vorstellungsfolie. Auch die Bedienung wurde geglättet: Noch nicht befüllte Platzhalter zeigen jetzt klar erkennbaren Hinweistext, sodass auf Anhieb ersichtlich ist, welches Feld noch Inhalt braucht. Das hilft besonders dann, wenn mehrere Personen an derselben Präsentation weiterarbeiten. Wandle testweise eine reine Aufzählungsliste in ein SmartArt-Layout vom Typ «Strukturierte Liste» um und vergleiche direkt, wie viel leichter die Folie danach lesbar ist. Für viele Standardfolien wie Projektstatus, Zeitpläne oder Teamvorstellungen sparst du dir damit den Umweg über Zusatz-Tools oder von Hand gezeichnete Kästchen.
Schritt 3: Formatierung mit Copilot in einem Rutsch vereinheitlichen
Statt jede Folie einzeln nachzuformatieren, nutzt du «Bearbeiten mit Copilot» (Edit with Copilot) direkt im geöffneten Foliensatz. Öffne den Copilot-Bereich und bitte ihn, Schriftart, Schriftgrösse und die Aufzählungszeichen über alle Folien hinweg zu vereinheitlichen. Copilot geht danach jede Folie durch und passt die Formatierung konsistent an, ohne dass du sie einzeln anklickst. Das lohnt sich besonders bei Präsentationen, die aus mehreren Quellen zusammengesetzt wurden, etwa wenn du Folien einer Kollegin mit deinen eigenen neuen Folien kombinierst und beide Sätze bisher unterschiedlich aussahen. Du kannst Copilot dabei auch in normaler Sprache Anweisungen geben, zum Beispiel eine Folie in ein anderes Layout umwandeln lassen, eine zusätzliche Folie einfügen lassen oder ganze Abschnitte umstrukturieren lassen, ohne selbst durch jede einzelne Folie zu klicken. 💬 Für besonders umfangreiche Foliensätze wechsle ich für diesen Schritt gerne das Modell, mehr dazu in meinem Beitrag zur Copilot-Modellwahl.
Schritt 4: Die Copilot-Skills «Diese Präsentation überprüfen» und «Diese Folie visualisieren» einsetzen
Bevor du eine Präsentation verschickst oder hältst, lohnt sich ein Blick auf zwei neue Copilot-Skills. «Diese Präsentation überprüfen» (Review this presentation) geht deinen kompletten Foliensatz automatisch durch und liefert dir Folie für Folie konkrete Vorschläge zu Aufbau, Verständlichkeit und Erzählfluss, zum Beispiel wenn eine Folie zu textlastig ist oder eine Kernaussage fehlt. «Diese Folie visualisieren» (Visualize this slide) setzt genau da an, wo eine einzelne Folie noch zu sehr nach Textwüste aussieht und verwandelt den Inhalt in ein passendes Visual, etwa ein Diagramm oder eine SmartArt-Grafik. Beide Skills rufst du mit einem Klick direkt aus dem Copilot-Bereich auf, ohne vorher einen eigenen Prompt formulieren zu müssen. Ich nutze «Diese Präsentation überprüfen» inzwischen routinemässig als letzten Schritt vor jedem Kundentermin, ähnlich wie eine Rechtschreibprüfung, nur eben für Struktur und Storytelling statt für Tippfehler. Gerade bei Präsentationen, die unter Zeitdruck entstanden sind, fällt so zuverlässig auf, wo eine Folie noch zu voll oder eine Überleitung unklar ist, bevor es dir erst im Meeting selbst auffällt.
Schritt 5: Mit PowerPoint Live Fragen während der Präsentation direkt klären
Auch für deine Zuhörenden hat sich etwas getan. Präsentierst du über PowerPoint Live, können Teilnehmende während deines Vortrags einen Begriff oder Abschnitt auf der Folie markieren und Copilot direkt dazu befragen, ohne dich zu unterbrechen. Ein unbekanntes Fachwort oder ein komplexer Zusammenhang lässt sich damit in Echtzeit klären, während du im Vortrag weitersprichst. Das ist besonders bei grösseren Runden mit gemischtem Vorwissen hilfreich, etwa wenn in einem Meeting sowohl Fachpersonen als auch fachfremde Kolleginnen und Kollegen sitzen. Aktiviere PowerPoint Live wie gewohnt über die Freigabe-Funktion beim Präsentieren in Teams, die Copilot-Funktion für Teilnehmende ist danach automatisch mit dabei, sofern sie in deinem Tenant freigeschaltet ist. An deinem gewohnten Ablauf als vortragende Person ändert sich dabei nichts, du gewinnst nur weniger Rückfragen per Chat während der Präsentation und dafür konzentriertere Fragen im Anschluss.
Schritt 6: Mit Agent Mode einen ersten Entwurf aus deinen eigenen Unterlagen erstellen lassen
Für den kompletten Kaltstart gibt es inzwischen den Agent-Modus (Agent Mode) in PowerPoint. Statt mit einer leeren Folie zu beginnen, beschreibst du Copilot kurz dein Vorhaben, zum Beispiel eine Statuspräsentation für ein laufendes Projekt und der Agent stellt daraus über Work IQ selbstständig einen ersten Entwurf zusammen, gestützt auf deine eigenen Dateien, Besprechungen und E-Mails zum Thema statt auf generische Textbausteine. 🤖 Das Ergebnis ist selten die fertige Präsentation, dafür aber ein sehr viel besserer Ausgangspunkt als eine leere Folie, weil bereits die richtigen Fakten und der richtige Kontext aus deinem Arbeitsalltag eingeflossen sind. Nutze den Agent-Modus vor allem für wiederkehrende Formate wie Status-Updates oder Kickoff-Präsentationen, bei denen sich die Struktur kaum verändert und nur die Inhalte aktualisiert werden müssen. Anschliessend übernimmst du mit den Schritten aus diesem Beitrag, vom passenden Theme bis zur Kontrolle durch «Diese Präsentation überprüfen», die Feinarbeit.
Mein Praxistipp aus der Beratungspraxis
Bevor du eine grössere Präsentation mit vielen Mitwirkenden startest, leg das gewünschte Theme als Erstes fest und erst danach lässt du Copilot die Formatierung vereinheitlichen. In der umgekehrten Reihenfolge korrigiert Copilot nämlich Schriftgrössen und Farben, die durch einen späteren Theme-Wechsel gleich wieder überschrieben werden, das kostet dich unnötige Doppelarbeit. Ich lege bei jedem neuen Projekt zuerst das Theme fest, verteile danach die Rohfolien an alle Mitwirkenden und lasse erst zum Schluss, kurz vor dem Termin, Copilot über den gesamten Foliensatz drüberschauen. So bleibt die Reihenfolge klar und du sparst dir einen zweiten Formatierungsdurchgang.
Fazit & CTA
Die neue Design-Leiste, die 13 frischen Themes und die modernen SmartArt-Layouts sorgen dafür, dass Präsentationen auf Anhieb weniger nach Vorlage aussehen. Die beiden Copilot-Skills «Diese Präsentation überprüfen» und «Diese Folie visualisieren» übernehmen danach genau die Kontrollarbeit, die dich sonst kurz vor dem Termin Zeit gekostet hätte. Du musst dafür nichts extra einrichten, alle genannten Funktionen stehen dir in PowerPoint bereits zur Verfügung, sobald der Rollout deinen Tenant erreicht hat, egal ob du über die Desktop-App oder über microsoft365.com arbeitest. Öffne deine nächste Präsentation, probiere ein neues Theme aus und lass Copilot einmal drüberschauen. Probiere es jetzt aus.